Akupunktur bei Kindern - tut das nicht weh?

Akupunktur bei Kindern - tut das nicht weh?

Akupunktur bei Kindern ist in der Schweiz noch relativ unbekannt. Wie bist du darauf gekommen?

Ich habe selber zwei Kinder. Der Erste war oft erkältet. Ich fühlte mich hilflos, weil ich als TCM Therapeut zwar das nötige Wissen um die notwendigen Punkte hatte, gleichzeitig es nicht mit Nadeln akupunktieren konnte. Er war noch zu klein, als das er verstanden hätte, warum sein Vater ihm jetzt Nadeln in den Körper steckt.

So habe ich mich auf die Suche gemacht, welche Tools ich zur Verfügung habe. Irgendwann ist mir in den Sinn gekommen, dass man bei Ohrakupunktur auch mit Samen arbeitet und habe mich gleichzeitig näher mit der Thematik der Akupunkturbehandlung bei Kindern auseinandergesetzt. Ich habe es dann bei meinem Sohn ausgetestet und das hat sehr gut angeschlagen. Seitdem habe ich viele Kinder damit behandelt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht.


Akupunktur bei Kindern, was kann man sich darunter vorstellen?

Grundsätzlich ist es nicht viel anders als bei den Erwachsenen. Die Akupunkturpunkte und das System bleiben gleich.

Der einzige Unterschied ist, dass die Stimulation nicht mit Nadeln, sondern Samen ausgelöst wird. Dabei werden Heilsamen mit einem hautfarbenen Pflaster an den entsprechenden Stellen aufgeklebt. Die Kinder können anschliessend selbst an den entsprechenden Stellen drücken und so die Punkte stimulieren. Die Kinder und die Eltern der Kinder sind somit in der Lage das Kind selbst zu behandeln. Die Kinder brauchen nicht lange hier zu sein und still zu sitzen. Zudem schmerzt es nicht und der Ansatz ist sehr spielerisch. Das soll ihnen die Angst vor medizinischen Behandlungen nehmen und ihnen zudem früh das Gefühl geben, dass sie ihre Gesundheit selbst mit beeinflussen können.


Warum funktioniert das bei Kindern, jedoch bei Erwachsenen nicht?

Dies funktioniert bei Kindern so gut, weil ihr Qi noch sehr oberflächlich und agil ist. Die Veränderung tritt sehr schnell ein. Der Körper von Erwachsenen dagegen braucht eine grössere Stimulation und länger um sich anzupassen. Wenn das Problem tief im Körper ist, muss auch die Nadel tief rein. Wenn das Problem eher oberflächlich ist, können wir auch oberflächlich arbeiten. 


Und wie läuft eine solche Behandlung ab?

In der Regel rufen die Eltern an und wir tätigen die erste Anamnese am Telefon. Wenn sie dann kommen, muss vor dem Kind nicht mehr viel über das “Problem“ gesprochen werden. Für Kinder kann das sonst sehr unangenehm sein, weil sie dann denken, dass etwas nicht gut ist oder mit ihnen etwas falsch ist. Das könnte zu Angst oder Selbstvorwürfen führen.

Sobald die Eltern mit dem Kind hier sind, ist eine sensible Kommunikation sehr wichtig. Wenn man beispielsweise dem Kind sagt:“ Hey, es tut nicht weh und ist nicht schlimm“ … so hört das Kind: „Es tut weh“. Das sind Aussagen die man unbedingt vermeiden sollte. 

Anschliessend beginnen wir mit der Behandlung. Ich gebe mit einem Akupunkturstift sanften Druck auf die entsprechenden Akupunkturpunkte. Danach kleben wir zusammen die Samen auf und schon können die Kinder selbst loslegen. Die erste Behandlung dauert in der Regel etwa 15-30 Minuten. Folgebehandlungen dauern meistens nicht länger als 15 Minuten.


Bei welchen Beschwerden würdest du diese Methode empfehlen? Bei welchen nicht?

Kinder haben oft allgemeinkörperliche Probleme. Typische “Erwachsenenkrankheiten“ wie Knie- oder Rückenbeschwerden kennen sie in der Regel noch nicht. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Bauchschmerzen, Schlafproblemen, Verdauungsstörungen, Husten, Unruhe und Unkonzentriertheit gemacht. Wenn ein Problem tief im Körper sitzt, kann die Akupunktur mit Samen unter Umständen nicht helfen. 

Man kann mit dieser Methode sehr viel Behandeln. Falls jemand unsicher ist, so empfehle ich anzurufen. Gerne werde ich Auskunft geben.


Ab welchem Alter kann man akupunktieren?

Die Methode mit den Pflastern ist bereits bei Neugeborenen möglich. Die Behandlung mit Nadeln hängt sehr individuell vom Kind ab. Sobald das Kind merkt bzw. in der Lage ist zu verstehen, dass die Nadeln ihm helfen und nicht da sind um ihm weh zu machen, kann eine Akupunktur mit Nadeln in Betracht gezogen werden. Das ist in der Regel mit 7-8 Jahren der Fall.


Hast du bestimmte Erfahrungen gemacht, welche dir besonders in Erinnerung bleiben?

Als Vater ist es natürlich ein besonders schönes Gefühl, wenn man den eigenen Kindern helfen kann. Bei meinem Älteren half diese Methode vor allem bei seinem Husten. Bei unserem damals Neugeborenen bei den Bauchkrämpfen, seinem unruhigen Schlaf und dem vielen Weinen.

Ein besonderes Erlebnis war auch jenes mit meinem “Göttibueb“. Er hatte zuerst Angst und wollte nicht. Dann hat er es bei meinem Sohn gesehen und wollte es auch austesten. Das Kind wird so in die Behandlung involviert. Es kann das Pflaster selbst ankleben und selbst drücken. Kinder sagen dann oft:“ Nein, ich will drücken, du darfst nicht“. Sie haben so ein ganz anderes Autonomiegefühl bei ihrer Behandlung.


Danke – gibt es etwas, was du noch erwähnen möchtest

Ich finde diese Akupunkturmethode sehr kindergerecht – sie hat einen spielerischen Ansatz, macht Freude und gibt dem Kind ein grosses Autonomiegefühl. Zudem ist sie sehr wirksam. Eine Behandlung soll für ein Kind nicht eine Therapie sein. Es soll nicht die Erfahrung machen, von:“ Mit mir stimmt etwas nicht, ich muss in eine Therapie“. Vielmehr soll es sich denken können, dass es zu jemandem geht, wo es spielen kann. Kinder, auch wenn sie klein sind, sind sehr feinfühlig und bekommen unglaublich viel mit. 


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